Drogentests im eSport

Durch die stetig zunehmende Professionalisierung des eSports war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das Thema Doping auch dort auftaucht. Auslöser für die zurzeit stattfindene Diskussion ist dieses Interview, in dem der Counter-Strike-Profi Kory „Semphis“ Friesen das erste Mal offen über Drogenkonsum sprach. Seiner Meinung nach hätten „praktisch alle“ das Amphetamin „Adderall“ eingenommen, das normalerweise in der ADHS-Behandlung zum Einsatz kommt.

Diese Aussage bezieht sich auf das Event „ESL One“ in Katowice, bei dem es im März um einen Preispool von 250.000 Dollar ging. Verständlicherweise führte die Veröffentlichung des Interviews zu sehr intensiven Diskussionen – insbesondere in der CS:GO-Szene. Die ESL selbst hat sich als Veranstalter des Events inzwischen auch zu Wort gemeldet. Gegenüber Motherboard sagte ESL-Sprecherin Anna Rozwandowicz, man werde die Spieler, die beim ESL-Turnier in Polen teilnahmen, nicht im Nachhinein bestrafen, weil es dafür keine Grundlage gäbe. Die Situation ist auch deshalb verzwickt, weil „Semphis“ inzwischen bei einer anderen Mannschaft unter Vertrag steht und durchaus einen Hals auf sein altes Team hat, wie man dem Interview entnehmen kann.

Regelungen bezüglich des Drogenkonsums bei Wettbewerben gibt es seitens der ESL bereits. Hier heißt es im Rulebook:

To play a match, be it online or offline, under the influence of any drugs, alcohol, or other performance enhancers is strictly prohibited, and may be punished with exclusion.

Auf Drogen getestet wurde bislang allerdings nicht. Doch die Aussagen der ESL lassen sich zumindest so interpretieren, dass hier demnächst Schritte eingeleitet werden, um die Drogenthematik in den Griff zu bekommen. Ich erwarte hier über kurz oder lang definitiv Drogenkontrollen. Das ist der einzige sinnvolle Schritt, will der eSport seine Glaubwürdigkeit behalten und weiter ausbauen. Zumal die Vorbildfunktion bei der ohnehin jüngeren Zielgruppe ein weiterer Grund hierfür sein sollte. Spannend wird auch sein, wie sich veranstalter anderer großen Turniere positionieren werden. Die Augen davor verschließen können sie jedenfalls mittelfristig nicht.