10.02.2016 · Akte X Benjamin Völz

#akteXsynchro - Ich mag gute Synchronarbeit

Benjamin Völz, Foto: Helen Krüger (CC)Synchronsprecher Benjamin Völz / Foto: Helen Krüger (CC)

Mit dem Start der zehnten Staffel von "Akte X" entbrannte im Netz wieder einmal ein Shitstorm. Denn die Standard-Synchronstimme von David Duchovny, Benjamin Völz, spricht erstmals nicht die Figur Fox Mulder in der Serie. Sogar eine Petition wurde dazu eingereicht, die eine Neuvertoung fordert. Ich finde, zurecht.

Liebe OT-Verfechter (OT = Originalton), immer wieder werde ich mit euch konfrontiert. Wenn ich mich über US-Serien oder britische Produktionen äußere, dauert es nicht lange bis ihr euch zu Wort meldet. "Du schaust aber schon OT, oder?", lauten dann die oft gestellten Fragen.

Die Antwort aber wird in den meisten Fällen "nein" heißen. Denn ich bin ein Freund der deutschen Synchro, wenn sie denn gut gemacht ist. Und meistens ist das auch der Fall. Wenn wir unsere Synchronarbeit mit der in anderen Ländern vergleichen, schneiden wir außerordentlich gut ab. Das liegt vor allem daran, dass unsere erste Riege an Synchronsprechern auch eine fundierte Schauspielausbildung hat.

Guckt doch mal nach Griechenland oder in die Türkei. Da ist man froh, wenn verschiedene Charaktere von unterschiedlichen Sprechern in Szene gesetzt werden und nicht eine Person alle Rollen übernimmt. Ja, das gibt es. Oder das zeitversetzte Nachsprechen, quasi wie eine Art Simultandolmetscher. Billiger geht's dann nur noch mit dem reinen Untertitel, der aber den meisten von euch ja auch lieber ist, als Synchro. Denn da bekommt man wenigstens auch mit, wie die Schauspieler wirklich klingen. Und überhaupt!

Das heißt jetzt aber nicht, dass ich nicht auch mal eine Serie auf Englisch ansehe. "24" zum Beispiel habe ich mir zwei Mal reingezogen, auf Deutsch und Englisch. Aber je nach Setting und Akzent kann das mitunter ziemlich anstrengend und schwer verständlich werden.

Und manchmal ist mir dieses OT-Gehabe auch zu elitär. Denkt ihr denn wirklich, dass jeder so gut Englisch kann, dass er problemlos einem Plot folgen kann? Wir gucken da nur in unseren eigenen Reihen, aber fragt mal meine Mutter ("Deine Mutter!"). Die ist froh, dass ihr alles auf Deutsch angeboten wird.

Der nächste Punkt, den viele vergessen: Gute Synchronarbeit kann auch Charaktere formen. Ob es nun die deutsche Interpretation von Norbert Gastells (Gott hab ihn selig) Homer Simpson ist, oder eben Benjamin Völz und Franziska Pigulla bei "Akte X". Mulder und Scully klingen für mich eben so, wie die beiden. Und sie klingen nicht nur so, sie SIND so.

Dazu muss ich sagen, dass ich langjähriger Fan der Serie bin und sie mich seit der Jugend begleitet hatte. Erst im letzten Jahr habe ich noch einmal die gesamte Serie und den ersten Film angesehen. Den zweiten Kinostreifen hatte ich so mies in Erinnerung, dass ich ihn nicht mehr eingelegt habe. Schon da wurde übrigens nicht Völz, sondern ein anderer Sprecher eingesetzt.

Mich hat das damals gestört und erst Recht bei der vermutlich letzten Neuauflage der Serie, die seit Montag läuft. Es nervt mich, dass ProSieben offenbar nicht einmal versucht hat, mit Völz über die Konditionen zu verhandeln. In meinen Augen ist es einfach fehlende Wertschätzung, auch wenn der Konzern selbst sagt, man habe sich aus redaktionellen Gründen für eine Neubesetzung entschieden. Das ist imo Blödsinn.

Das Stimmen-Casting war leider schlecht, was man auch an der neuen Stimme von Assistant Director Walter Skinner hört. Norbert Gescher passte zu diesem Charakter viel besser. Ich erinnere mich gerade wieder an den ersten Dialog aus S10E01 zwischen Mulder und Skinner. Selten war ich bei einer deutschen Synchro so verstört und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen soll.

Am Ende wird es natürlich auch ein Teil Gewohnheit sein. Aber wer bricht schon gerne grundlos Gewohnheiten? Vor allem, wenn es gute sind?

Linktipp: Der Deutschlandfunk im Gespräch mit Benjamin Völz zur #akteXsynchro zum Nachhören.

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